Die wissenschaftliche Realität vor der Nordostküste Australiens zeichnet ein zunehmend düsteres Bild. (Bild: pd)

Das Unesco-Welterbekomitee belässt das Great Barrier Reef vorerst unter strenger Beobachtung, anstatt es als gefährdet einzustufen. Australien erhält eine Frist bis 2028, um drängende Umweltprobleme zu lösen. Doch der Spagat zwischen fossiler Wirtschaft und Naturschutz bleibt gewaltig.

Von TEAM AUSTRALIEN PAZIFIK REPORTER

Es ist ein fragiles Naturwunder von gewaltigen Ausmaßen, doch sein Schicksal entschied sich dieser Tage in den nüchternen Konferenzräumen Südkoreas. Auf seiner Jahrestagung in Busan hat das Unesco-Welterbekomitee beschlossen, die Aufsicht über das Great Barrier Reef aufrechtzuerhalten, und folgte damit einem Entwurf eines Expertenkommittees. Wie aus einer aktuellen Mitteilung der Umweltschutzorganisation Australian Marine Conservation Society (AMCS) hervorgeht, auf die sich dieser Bericht stützt, entgeht das größte Korallenriff der Erde damit vorerst knapp einem Eintrag auf der berüchtigten Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Australien wird stattdessen zum fünften Mal in Folge aufgefordert, über seine Fortschritte beim Schutz des Naturdenkmals zu berichten – der nächste Stichtag ist das Jahr 2028.

Die Erleichterung in Canberra dürfte groß sein, denn das Riff ist nicht nur ein ökologischer Schatz von globaler Bedeutung, sondern auch ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor. „Das Great Barrier Reef bleibt eines der außergewöhnlichsten Naturwunder der Welt. Es ist aber auch ein wirtschaftliches Kraftzentrum für Australien“, erklärte Lissa Schindler, Kampagnenleiterin der AMCS, im Anschluss an die Entscheidung in Busan. Mit einem jährlichen Beitrag von neun Milliarden australischen Dollar (rund 5,5 Milliarden Euro) zur Wirtschaftsleistung und als Arbeitgeber, der 77.000 Arbeitsplätze sichert, sei die Bedeutung des Riffs immens. „Wir sollten eigentlich nicht das Welterbekomitee brauchen, um uns zu sagen, dass wir mehr tun müssen, um es zu schützen“, betonte Schindler.

Rekordtemperaturen

Doch die wissenschaftliche Realität vor der Nordostküste Australiens zeichnet ein zunehmend düsteres Bild. Erst im vergangenen Monat erreichten die globalen Meeresoberflächentemperaturen einen neuen Rekordwert. In den vergangenen neun Jahren hat das Riff sechs massenhafte Korallenbleichen erlitten – eine direkte Folge extremer mariner Hitzewellen, zu denen auch aufeinanderfolgende Bleiche-Ereignisse in den Jahren 2024 und 2025 zählten. Das Unesco-Komitee würdigte zwar die bisherigen Schutzbemühungen der australischen Regierung, forderte jedoch eine deutliche Beschleunigung der Maßnahmen.

Hier offenbart sich der politische und wirtschaftliche Widerspruch, in dem sich der australische Kontinent befindet. Zwar hat die Regierung in Canberra ihre Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen auf dem Papier angehoben, doch gleichzeitig werden weiterhin neue Kohlebergwerke und Gasbohrungen genehmigt. Australien bleibt damit einer der größten Exporteure von fossilen Brennstoffen weltweit. Auch auf regionaler Ebene hakt es: Die konservative Regierung des Bundesstaates Queensland, die das Riff gemeinsam mit dem Bund verwaltet, habe laut Schindler „keinen Plan, um ihr gesetzlich verankertes Ziel einer Emissionsreduzierung um 75 Prozent zu erreichen“. Stattdessen werde weiterhin der Kohleverstromung Vorrang eingeräumt, während Projekte für erneuerbare Energien blockiert oder auf Eis gelegt würden.

Auch bei der Wasserqualität, einem entscheidenden Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Korallen gegen Hitzestress, hinkt der Kontinent hinterher. Seit 2009 wurden die Fristen zur Reduzierung der Wasserverschmutzung durch landwirtschaftliche Abflüsse bereits dreimal verlängert, ohne dass die Ziele je erreicht wurden. Beim derzeitigen Reduktionstempo würde das Ziel, die Stickstoffbelastung durch übermäßige Düngemittel maßgeblich zu senken, erst im nächsten Jahrhundert erreicht werden.

Uhr tickt

Die jüngst von der Regierung in Queensland angekündigten Fördermittel in Höhe von 330 Millionen Dollar zur Verbesserung der Wasserqualität sind zwar ein politisches Signal. Doch der Strategie fehlt nach Ansicht von Umweltschützern ein klarer, durchfinanzierter Fahrplan. Australien bleiben nun nur noch wenige Jahre, um zu beweisen, dass es seine Zusagen umsetzen kann. Das Great Barrier Reef hat in Südkorea vielleicht eine diplomatische Atempause gewonnen, doch die klimatische Uhr tickt unerbittlich weiter.

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