Nur noch 5,6 Prozent der Australier ab 14 Jahren rauchen täglich. (Bild: pd)

Wer durch Instagram oder TikTok scrollt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass das Rauchen ein Comeback erlebt. Doch die Realität sieht anders aus: In Australien setzt sich der jahrzehntelange Rückgang des Tabakkonsums fort. Das sagen Becky Freeman, Professorin für Public Health an der University of Sydney, und Michelle Jongenelis, Professorin am Melbourne Centre for Behaviour Change der University of Melbourne.

Von URS WÄLTERLIN

Neue Daten der National Drug Strategy Household Survey 2025, einer der wichtigsten Gesundheitsstudien des Landes, zeigen, dass nur noch 5,6 Prozent der Australier ab 14 Jahren täglich rauchen. Bei den Erwachsenen liegt die Quote bei 5,8 Prozent. Noch 2022/23 betrug der Anteil der täglichen Raucher 8,3 Prozent.

„Australien steht kurz davor, sein nationales Ziel zu erreichen, den Anteil der täglichen Raucher bis 2030 auf fünf Prozent oder weniger zu senken“, schreiben Becky Freeman und Michelle Jongenelis in The Conversation.

Auch bei jungen Erwachsenen sinkt der Tabakkonsum

Besonders bemerkenswert ist der Rückgang bei den 18- bis 24-Jährigen – einer Altersgruppe, die traditionell stark von der Tabakindustrie umworben wird. Der Anteil der aktuellen Raucher sank auf 6,1 Prozent.

Auch beim Vaping, dem Konsum von E-Zigaretten, scheint sich der Trend gedreht zu haben. Während die tägliche Nutzung in der Gesamtbevölkerung mit 3,6 Prozent stabil blieb, ging sie bei den 18- bis 24-Jährigen deutlich zurück: von 20,6 Prozent auf 14 Prozent.

Damit widerlegen die Daten eine häufig geäußerte Befürchtung, strengere Gesetze gegen E-Zigaretten würden junge Menschen wieder zur klassischen Zigarette treiben. „Die Ergebnisse stützen diese Behauptung nicht“, betonen die Autorinnen.

Strenge Gesetze zeigen Wirkung

Australien gilt seit Jahrzehnten als Vorreiter in der Tabakkontrolle. Das Land führte bereits 2012 als erstes weltweit einheitliche, olivgrüne Zigarettenpackungen ohne Markenlogos ein. Gleichzeitig wurden die Tabaksteuern kontinuierlich erhöht, Werbung für Tabakprodukte weitgehend verboten, Rauchverbote in öffentlichen Bereichen ausgeweitet und groß angelegte Aufklärungskampagnen finanziert.

Seit 2024 gelten zudem besonders strenge Regeln für E-Zigaretten. Nikotinhaltige Vapes dürfen grundsätzlich nur noch in Apotheken verkauft werden, um Jugendliche besser vor einer Nikotinabhängigkeit zu schützen.

Nach Ansicht der beiden Wissenschaftlerinnen zeigt die Kombination dieser Maßnahmen Wirkung. Rauchen werde dadurch „teurer, weniger sichtbar, gesellschaftlich weniger akzeptiert und der Ausstieg erleichtert“.

Nikotinbeutel bereiten Sorgen

Erstmals untersuchte die nationale Gesundheitsstudie auch die Verbreitung von Nikotinbeuteln. Diese kleinen, aromatisierten Beutel werden zwischen Lippe und Zahnfleisch gelegt und enthalten Nikotin, aber keinen Tabak.

Rund 1,8 Prozent der Australier gaben an, solche Produkte im vergangenen Jahr verwendet zu haben. Zwar lasse sich dieser Wert nicht direkt mit den Raucherzahlen vergleichen, doch sehen die Forscherinnen darin einen neuen Trend, den Gesundheitsbehörden genau beobachten müssten.

„Das größte Risiko besteht in einer Nikotinabhängigkeit – insbesondere bei jungen Menschen, die sonst möglicherweise nie Nikotin konsumiert hätten“, warnen Freeman und Jongenelis.

Schwarzmarkt wird zur größten Herausforderung

Sorgen bereitet den Behörden auch der boomende Schwarzmarkt. Nach den aktuellen Daten hat inzwischen etwa jeder dritte Raucher (34 Prozent) zuletzt illegalen Tabak gekauft oder konsumiert. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 16,7 Prozent.

Billige Schmuggelzigaretten untergraben nach Ansicht der Autorinnen die erfolgreiche Tabakkontrolle, weil sie das Rauchen wieder erschwinglicher machen. Das eigentliche Problem liege inzwischen weniger bei der Nachfrage als bei der unzureichenden Kontrolle der Lieferketten und Verkaufsstellen.

Erfolgsgeschichte mit offenen Baustellen

Die Forscherinnen sehen die neuen Zahlen als Bestätigung dafür, dass Australiens konsequente Anti-Tabak-Politik wirkt. Gleichzeitig warnen sie vor Selbstzufriedenheit.

Um den Rückgang des Rauchens fortzusetzen, fordern sie ein härteres Vorgehen gegen den illegalen Tabakhandel, dauerhaft finanzierte Anti-Raucher-Kampagnen und strengere Vorgaben dafür, wo Tabak überhaupt verkauft werden darf.

Ihr Fazit fällt eindeutig aus: „Der Verkauf von Zigaretten ist ein aussterbendes Geschäftsmodell. Jetzt ist die Zeit gekommen, den nahezu unbegrenzten Verkauf eines so gefährlichen und stark abhängig machenden Produkts schrittweise zu beenden.“

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