New World uebernahm die Kosten selbst und zahlte der Frau die 30 Dollar zurück. (Bild: pd)

Eine 54-jährige Neuseeländerin überlebte einen Herzstillstand auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Auckland. Ihr Auto blieb dort mehr als fünf Stunden stehen. Wenige Tage später erhielt sie eine Strafgebühr, weil sie die erlaubte Parkzeit überschritten hatte. Der Betreiber entschuldigte sich inzwischen.

Von Team AUSTRALIEN PAZIFIK REPORTER

Es ist eine jener Geschichten, in denen die Absurdität eines Regelwerks erst sichtbar wird, wenn das Leben dazwischenkommt. Im Juli hatte eine 54-jährige Frau aus Auckland ihr Auto auf dem Parkplatz einer New-World-Filiale an der Hibiscus Coast im Norden Neuseelands abgestellt. Erlaubt waren 90 Minuten.

Doch die Frau kam nicht dazu, einzukaufen. Auf dem Weg in den Supermarkt brach sie auf dem Parkplatz zusammen. Ihr Herz blieb stehen.

Ein Unbekannter begann sofort mit der Herzdruckmassage, während Mitarbeiter des Supermarkts zu Hilfe eilten. „Die fremde Person verschwand einfach, nachdem meine Tochter wieder einen Puls hatte und der Rettungsdienst eingetroffen war – noch bevor sich jemand bei ihr bedanken konnte“, berichtete Keith Wilkinson, der Vater der Frau, dem neuseeländischen Nachrichtenportal Stuff.

Die Rettungskräfte erklärten dem Vater später, wie knapp seine Tochter dem Tod entkommen war. Ihr Herz habe aufgehört zu schlagen, „für einen Moment war sie tot“, sagte er gegenüber Stuff. Die Frau wurde mit dem Rettungswagen ins North Shore Hospital gebracht.

Ihr Auto blieb unterdessen auf dem Parkplatz zurück. Nicht 90 Minuten, sondern 341 Minuten – mehr als fünfeinhalb Stunden. Die Frau lag während dieser Zeit im Krankenhaus und wurde medizinisch behandelt.

Einige Tage später, als sie sich von dem lebensbedrohlichen Ereignis erholte, fand sie in ihrem Briefkasten eine weitere Überraschung: eine Parkstrafe über 80 neuseeländische Dollar.

Sie wandte sich an Smart Compliance Management, das Unternehmen, das die Parkflächen überwacht. Sie schilderte die außergewöhnlichen Umstände und bat darum, die Forderung fallen zu lassen. Zunächst ohne Erfolg. Das Unternehmen reduzierte die Strafe lediglich auf 30 Dollar.

„Kunden haben Anspruch auf 90 Minuten Parkzeit, und Ihr Fahrzeug war 341 Minuten geparkt“, teilte Smart Compliance Management der Frau mit. Nach Prüfung ihres Einspruchs halte man an der Strafe fest, da diese „korrekt ausgestellt“ worden sei.

Für ihren Vater war diese Reaktion schwer nachvollziehbar. Die Forderung zu bezahlen, sei angesichts dessen, was seine Tochter gerade erlebt hatte, „beleidigend“ gewesen, sagte Wilkinson. Schließlich habe sie die 30 Dollar dennoch bezahlt – auch weil die Auseinandersetzung während ihrer Genesung zusätzlichen Stress verursacht habe.

Der Vorfall blieb allerdings nicht beim privaten Ärger. Steve McClean, Betreiber der betroffenen New-World-Filiale, griff ein, nachdem seine Mitarbeiter von der Strafe erfahren hatten. Der Supermarkt forderte Smart Compliance Management auf, die Zahlungsaufforderung zurückzunehmen und das bereits gezahlte Geld zu erstatten.

Als das Unternehmen dies ablehnte, übernahm New World die Kosten selbst und zahlte der Frau die 30 Dollar zurück.

„Das war eine zutiefst belastende Situation für die Kundin und ihre Familie“, sagte McClean. Regeln müssten zwar fair angewandt werden, aber „mit gesundem Menschenverstand“. Unter diesen Umständen könne er vollkommen verstehen, weshalb die Frau verärgert gewesen sei.

Erst nachdem neuseeländische Medien über den Fall berichtet hatten, änderte auch Smart Compliance Management seine Haltung. Das Unternehmen entschuldigte sich für den „zusätzlichen Stress“, den die Frau nach ihrem medizinischen Notfall erfahren habe.

Die erste Reaktion habe die besonderen Umstände des Falles „nicht angemessen berücksichtigt“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Man habe inzwischen die internen Abläufe überprüft und die Mitarbeiter für den Umgang mit außergewöhnlichen Situationen erneut geschult.

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