Nach Einschätzung von Tourism Australia hellt sich die Stimmung inzwischen deutlich auf. (Bild: Tourism Australia)
Der deutsche Reisemarkt für Australien zeigt sich trotz der Auswirkungen der Nahost-Krise widerstandsfähig. Zwar gingen die Besucherzahlen im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 17 Prozent zurück, doch Tourism Australia sieht darin eine kurzfristige Reaktion auf die geopolitischen Ereignisse und erwartet für 2027 eine starke Nachfrage.
Von URS WÄLTERLIN
Wie Eva Seller, Regional General Manager Continental Europe bei Tourism Australia, in einem Webinar für australische Anbieterfirmen betonte, zählt Deutschland weiterhin zu den qualitativ wichtigsten Quellmärkten für Australien. Deutsche Reisende bleiben lange im Land, reisen überdurchschnittlich häufig in regionale Gebiete und gehören zu den ausgabefreudigsten internationalen Gästen.
„Deutschland führt unsere internationalen Märkte bei der Verteilung der Besucher in das regionale Australien an“, sagte Seller.
Rückgang im April – Wachstum im Jahresvergleich
Die jüngsten Zahlen bis Ende April spiegeln bereits die ersten beiden Monate nach Ausbruch der Nahost-Krise wider. Während Frankreich seine Vorjahreswerte im April halten konnte, verzeichnete Deutschland einen Rückgang von 17 Prozent. Seller bezeichnete dies jedoch als erwartbare Entwicklung.
„Das überrascht nicht, wenn sich eine Krise praktisch direkt vor unserer Haustür abspielt“, so die Managerin. Neben der allgemeinen Verunsicherung hätten insbesondere Reisewarnungen europäischer Regierungen sowie die zeitweise Unterbrechung wichtiger Flugverbindungen über den Nahen Osten die Buchungsbereitschaft belastet.
Im längerfristigen Vergleich entwickelt sich der Markt jedoch positiv. Für die zwölf Monate bis Ende April weist Deutschland ein Wachstum von plus sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf. Die Erholung gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 liegt inzwischen bei 87 Prozent.
„Deutschland hat noch etwas aufzuholen, gleichzeitig sehen wir aber einen stetigen Fortschritt und Monat für Monat weiteres Wachstum“, sagte Seller.
Verbraucher gewinnen Vertrauen zurück
Nach Einschätzung von Tourism Australia hellt sich die Stimmung inzwischen deutlich auf. Mit dem Wegfall vieler Reisewarnungen für den Nahen Osten habe sich das Konsumentenvertrauen in allen drei von Frankfurt betreuten Märkten – Deutschland, Frankreich und Italien – rasch verbessert.
„Sobald die Reisewarnungen aufgehoben wurden, ist das Verbrauchervertrauen unmittelbar wieder gestiegen“, meinte Seller. Auch Reiseveranstalter meldeten, dass Kunden wieder bereit seien, Flüge über die Golfregion zu buchen.
Mehr Flugverbindungen und günstigere Rahmenbedingungen
Für den deutschen Markt verbessern sich gleichzeitig die Anreisemöglichkeiten nach Australien. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres stehen nach Angaben von Tourism Australia im kommenden Dezember 21 Prozent mehr Flugoptionen zur Verfügung.
Hinzu kommt, dass die großen Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten ihre Marketingaktivitäten vollständig wieder aufgenommen haben. Sie bewerben ihre wiederhergestellten Strecken und locken mit kurzfristigen Sonderangeboten.
Zusätzlichen Rückenwind erwartet Seller durch politische Entscheidungen in Deutschland. „Die deutsche Regierung hat die Steuern auf Langstreckenflüge beziehungsweise auf Flüge generell gesenkt. Das sollte sich für Verbraucher in niedrigeren Preisen bemerkbar machen.“
Deutschland bleibt Schwerpunktmarkt
Deutschland ist innerhalb Kontinentaleuropas der einzige Markt, in dem Tourism Australia weiterhin das vollständige Marketingprogramm inklusive Markenwerbung ausrollt. Frankreich und Italien konzentrieren sich dagegen stärker auf Vertriebs- und Conversion-Kampagnen.
Im Mittelpunkt der deutschen Kampagne steht die Markenfigur „Ruby“, ein comic-artiges Känguru, das über Streamingdienste, Fernsehen, Kinos, soziale Medien und digitale Außenwerbung ausgespielt wird. Die Resonanz sei außergewöhnlich gewesen, so Eva Seller: „Mehr als 35 Millionen Menschen haben unsere Videos gesehen». Besonders bemerkenswert sei, dass Zuschauer auf Netflix und Amazon die Filme nahezu vollständig angesehen hätten. „Das zeigt, dass unsere Inhalte bei der Zielgruppe wirklich ankommen.“
Fernsehen und Roadtrips stärken Australien-Image
Einen besonderen Erfolg erzielte Tourism Australia mit einer fünfteiligen deutschen Fernsehserie, in der drei bekannte Spitzenköche Australien im Camper bereisten – von Tropical North Queensland über New South Wales und Victoria bis nach South Australia.
„Das Feedback der Australien-Spezialisten im Markt war sehr positiv bezüglich des Tiefgangs und der Vielfalt der gezeigten Erfahrungen “, sagte Seller.
Parallel setzte Tourism Australia gemeinsam mit mehreren Bundesstaaten und dem Wohnmobilanbieter Tourism Holdings Limited (maui, Britz etc.) auf Roadtrip-Kampagnen in deutschen Tageszeitungen und deren Online-Angeboten. Ergänzt wurden diese durch Kooperationen mit Influencern.
Working-Holiday-Alter steigt auf 35 Jahre
Eine wichtige Verbesserung gibt es auch für junge deutsche Australienreisende. Künftig können deutsche Staatsbürger bis zum Alter von 35 Jahren ein Working-Holiday-Visum beantragen.
„Damit können nun alle drei Märkte – Deutschland, Frankreich und Italien – bis zum Alter von 35 Jahren mit einem Working-Holiday-Visum nach Australien reisen“, sagte Seller.
Branche blickt optimistisch auf 2027
Für die kommenden Monate zeichnet sich nach Einschätzung von Tourism Australia eine deutliche Belebung ab. Neben kurzfristigen Buchungen für 2026 erwartet die Branche auch Nachholeffekte aus verschobenen Reisen.
„Die Nachfrage nach Australien im Jahr 2027 ist nach Rückmeldungen unserer Vertriebspartner besonders stark“, sagte Seller. „Die ersten Buchungen gehen bereits ein.“

