Der Rekord fällt in eine Phase außergewöhnlich hoher Goldpreise. (Bild: Perth Mint)

Mit einem Goldbarren von mehr als einer halben Tonne hat die staatliche Perth Mint in Westaustralien einen Weltrekord aufgestellt. Der Rekord ist weit mehr als eine spektakuläre Schauleistung: Er steht für den Aufstieg des Goldes zu einem der wichtigsten Exportgüter Australiens – in einer Zeit geopolitischer Unsicherheit und historisch hoher Edelmetallpreise.

Von URS WÄLTERLIN

Die australische Rundfunkanstalt ABC berichtete zuerst über den neuen Guinness-Weltrekord. Was auf den ersten Blick wie ein PR-Coup einer traditionsreichen Prägestätte wirkt, erzählt zugleich die Geschichte eines Rohstoffs, der für Australien wirtschaftlich immer wichtiger wird. Als die Kontrolleure von Guinness World Records in der Schmelzhalle der Perth Mint eintrafen, ging es um weit mehr als das exakte Gewicht eines Goldblocks. Drei Tage lang verfolgten sie jeden einzelnen Arbeitsschritt. Am Ende stand ein Barren von 521,2 Kilogramm, hergestellt aus australischem Gold mit einem Reinheitsgrad von 99,999 Prozent – sogenanntem Five-Nines Gold. Damit übertraf die Perth Mint den bisherigen Weltrekord eines 300-Kilogramm-Barrens, den eine Prägestätte in Dubai erst zwei Jahre zuvor aufgestellt hatte.

Für Paul Graham, den Geschäftsführer der Perth Mint, liegt die eigentliche Leistung nicht allein in der Größe. „Der heutige Weltstandard liegt bei 99,99 Prozent Reinheit. Auf 99,999 Prozent zu kommen – das schaffen nicht viele“, sagte er im Gespräch mit ABC News. Das Ergebnis sei „nichts weniger als ein Wunder“.

Mehr als 35 Spezialisten arbeiteten an dem Projekt, das intern den Namen „People’s Bar“ erhielt. Nach Angaben Grahams hatte die Prägestätte rund ein Jahr lang geplant und den gesamten Herstellungsprozess zuvor in einem Probelauf getestet.

Präzisionsarbeit am Rand des technisch Machbaren

Einen Goldbarren dieser Größenordnung herzustellen, ist deutlich anspruchsvoller als die Produktion kleiner Standardbarren. Gold schmilzt bei 1064 Grad Celsius. Schon geringe Temperaturschwankungen oder Verunreinigungen können zu Spannungen, Hohlräumen oder einer ungleichmäßigen Kristallstruktur führen. Je größer der Gusskörper, desto schwieriger wird es, den Abkühlungsprozess zu kontrollieren.

Nach Angaben des World Gold Council wird Anlagegold international überwiegend in Reinheiten von 99,5 Prozent (Good Delivery) oder 99,99 Prozent gehandelt. Ein Reinheitsgrad von 99,999 Prozent gehört dagegen zur Spitzengruppe hochraffinierter Edelmetalle und setzt aufwendige Raffinationsverfahren voraus.

Die Perth Mint zählt zu den wenigen Raffinerien weltweit, die Gold in dieser Qualität regelmäßig herstellen können. Ihre Raffinerie verarbeitet Gold aus Australien sowie aus zahlreichen weiteren Förderländern und beliefert Banken, Zentralbanken, Schmuckhersteller und Investoren rund um den Globus.

Eine Institution aus der Zeit des Goldrauschs

Die Geschichte der Perth Mint reicht bis ins Jahr 1899 zurück. Sie wurde während des Goldrauschs in Westaustralien als Niederlassung der britischen Royal Mint gegründet. Damals machten Funde in den Regionen Coolgardie und Kalgoorlie die abgelegene Kolonie zu einem Zentrum der weltweiten Goldförderung.

Heute gehört die Prägestätte dem Bundesstaat Western Australia. Neben der Raffination von Edelmetallen produziert sie Anlagemünzen und verwahrt Gold für private und institutionelle Kunden. Internationale Bekanntheit erlangte sie bereits 2011 mit einer eine Tonne schweren Goldmünze aus 99,99-prozentigem Gold, die damals ebenfalls einen Guinness-Weltrekord aufstellte und bis heute zu den Hauptattraktionen der Münzstätte zählt.

Gold erlebt eine Renaissance

Der Rekord fällt in eine Phase außergewöhnlich hoher Goldpreise. Nach Daten des Finanzdienstleisters LSEG lag der Spotpreis zuletzt bei rund 4079 US-Dollar je Feinunze und damit auf einem historischen Höchststand.

Mehrere Faktoren treiben die Nachfrage. Zentralbanken bauen ihre Goldreserven aus, geopolitische Konflikte erhöhen den Wunsch nach sicheren Anlageformen, und viele Investoren suchen Schutz vor Inflation sowie vor Schwankungen an den Finanzmärkten. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken in den vergangenen Jahren so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Davon profitiert Australien unmittelbar. Das Land gehört – neben China und Russland – zu den größten Goldförderern der Welt. Besonders der Bundesstaat Western Australia liefert den überwiegenden Teil der australischen Produktion.

Der Minerals Council of Australia erwartet, dass die Exporterlöse aus Gold im Finanzjahr 2025/26 auf rund 60 Milliarden australische Dollar steigen werden. Im Vorjahr waren es noch 47 Milliarden Dollar. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, würde Gold hinter Eisenerz zum zweitwichtigsten Exportgut Australiens aufsteigen.

Ein Werbestück mit offenem Preisschild

Welchen Wert der Rekordbarren tatsächlich besitzt, lässt sich kaum beziffern. Allein der Materialwert liegt nach den aktuellen Goldpreisen bei deutlich über 100 Millionen australischen Dollar. Sein tatsächlicher Marktwert dürfte jedoch erheblich höher sein, weil es sich um ein weltweit einzigartiges Objekt handelt.

„Alle rechnen den Metallwert aus. Aber etwas derart Einzigartiges hat es bisher noch nie gegeben“, sagte Graham gegenüber ABC News.

Verkauft werden soll der Barren allerdings nicht. Er wird künftig gemeinsam mit der rekordverdächtigen Ein-Tonnen-Goldmünze in der Perth Mint ausgestellt werden.

Der neue Weltrekord ist damit weniger ein Versuch, möglichst viel Gold an einem Ort zu sammeln, als eine Demonstration technischer Leistungsfähigkeit. In Zeiten, in denen Australien seine Rolle als Rohstofflieferant für die Weltwirtschaft neu definiert, dient der Barren zugleich als Symbol eines Landes, dessen Wohlstand noch immer in erheblichem Maß aus dem Boden stammt.

© Copyright Australien Pazifik Reporter – Alle Rechte vorbehalten

Diesen Beitrag teilen:

Bleiben Sie in Kontakt

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Schreiben Sie Ihre Email-Adresse in den Kasten und drücken Sie «Bestellen»

Discover more from Australien Pazifik Reporter

Subscribe now to keep reading and get access to the full archive.

Continue reading