Australien hilft Frankreich im Kampf gegen die Waldbrände – mit einem schweren Löschhubschrauber, der auch nachts eingesetzt werden kann. Für den australischen Rural Fire Service ist es der erste Einsatz in Europa. Die Mission steht zugleich für eine neue Form internationaler Katastrophenhilfe, bei der Staaten ihre spezialisierten Feuerwehreinheiten über Kontinente hinweg einsetzen.
Von TEAM AUSTRALIEN PAZIFIK REPORTER
Als der CH-47D Chinook vor ein paar Tagen Sydney verließ, war das Ziel ungewöhnlich weit entfernt für ein Fluggerät der Feuerwehr von New South Wales: Frankreich. Der schwere Transporthubschrauber, ausgestattet mit einem 11.300 Liter fassenden Löschwassertank, wurde gemeinsam mit einer Bell 412 und 24 Spezialisten des New South Wales Rural Fire Service (RFS) nach Europa gebracht. Die australischen Streitkräfte übernehmen den strategischen Lufttransport.
Es ist der erste operative Einsatz des RFS in Europa. Und er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Frankreich eine Brandsaison erlebt, wie sie das Land seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Ende Juli mussten dort rund 224.000 Menschen ihre Häuser oder Ferienunterkünfte verlassen. Allein ein Großbrand westlich von Bordeaux zerstörte nach Angaben des australischen Senders ABC rund 42.000 Hektar Wald – eine Fläche etwa viermal so groß wie Paris. Als sich die Lage vorübergehend entspannte, durften zwei Drittel der Evakuierten zurückkehren. Doch die Behörden warnten vor Glutnestern und neuen Ausbrüchen.
Die französische Regierung hatte zuvor internationale Hilfe angefordert. Schon Anfang Juli hatte Paris den europäischen Katastrophenschutzmechanismus aktiviert; die Europäische Union entsandte daraufhin Löschflugzeuge aus mehreren Mitgliedstaaten. Nun kommt Hilfe aus einem Land, dessen Feuerwehrsystem auf eine lange Erfahrung mit extremen Buschfeuern zurückblickt.
Der Chinook ist dabei das auffälligste Element der australischen Unterstützung. Der Hubschrauber kann mit seinem Tank 11.300 Liter Wasser aufnehmen und aus der Luft über den Brandherden abwerfen. Die Maschine gehört dem RFS und wurde 2024 in die Flotte aufgenommen. Anders als herkömmliche Löschhubschrauber ist sie für große Wassermengen ausgelegt; der RFS bezeichnet sie als das leistungsfähigste Löschhubschrauber-System Australiens.
Entscheidend ist allerdings nicht nur die Menge des Wassers. Der Chinook kann zusammen mit der Bell 412 auch bei Dunkelheit eingesetzt werden. In Australien hat der RFS diese Fähigkeit erst im vergangenen Jahr erstmals praktisch erprobt. Bei einem Waldbrand nahe Glen Alice im Bundesstaat New South Wales absolvierte der Chinook im November 2025 seine ersten nächtlichen Löschflüge. In zwei Nächten wurden nach Angaben des RFS 194.800 Liter Wasser bei 27 Abwürfen eingesetzt.
Der Vorteil liegt in den Bedingungen nach Sonnenuntergang. Wenn Temperaturen und Wind zurückgehen und die Luftfeuchtigkeit steigt, nimmt die Intensität vieler Brände ab. Ein Löschflugzeug kann dann näher an die Flammen heran und gezielter versuchen, deren Ausbreitung zu bremsen. Was in Australien bereits erprobt ist, könnte nun erstmals auch in Frankreich zum Einsatz kommen.
„Dies ist ein historischer Einsatz für den RFS“, sagte dessen Commissioner Trent Curtin. Erstmals werde die Feuerwehr zu einem Einsatz in Europa gerufen; zugleich würden erstmals Flugzeuge mit der Fähigkeit zum nächtlichen Wasserabwurf in Frankreich eingesetzt. Curtin verwies auf eine Erfahrung, die in der Welt der Katastrophenhilfe inzwischen fast selbstverständlich geworden ist: „Feuerwehrleute wissen, dass Buschfeuer nicht an Grenzen haltmachen.“
Der Satz beschreibt mehr als eine kameradschaftliche Geste unter Feuerwehrleuten. Die Waldbrandsaison hat sich in den vergangenen Jahren zu einer internationalen Angelegenheit entwickelt. Während Australien im Winter seine vergleichsweise ruhigere Phase durchläuft, kämpfen im europäischen Sommer Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland und andere Länder mit Bränden. Gleichzeitig helfen australische Einsatzkräfte derzeit auch in Nordamerika. Nach Angaben der Regierung von New South Wales sind Spezialisten des RFS und anderer Behörden bereits in den Vereinigten Staaten tätig; eine weitere Gruppe soll nach Kanada reisen. Ein großer Löschflieger des RFS, die Marie Bashir, unterstützt derweil die Brandbekämpfung in den USA und hat dort nach Regierungsangaben mehr als 1,4 Millionen Liter Löschmittel bei 32 Bränden in zwei Bundesstaaten abgeworfen.
Das ist möglich, weil sich die Feuerzeiten auf der Nord- und Südhalbkugel überschneiden, aber nicht deckungsgleich sind. Staaten können deshalb Spezialisten und Fluggerät zeitweise dorthin schicken, wo die Gefahr gerade am größten ist. Das Prinzip ist nicht neu. Während der verheerenden australischen Buschfeuer 2019/20 kamen unter anderem Feuerwehrleute und Experten aus dem Ausland zu Hilfe. Frankreich entsandte im Januar 2020 fünf Spezialisten nach Australien, darunter Experten für Waldbrandbekämpfung, Luftoperationen und kontrolliertes Abbrennen. Das französische Innenministerium sprach damals von einer Mission zur Krisenunterstützung.
Australien hat bittere Erfahrung
Für Australien besitzt die jetzige Mission deshalb auch eine symbolische Dimension. „Australien verfügt über einige der besten Fähigkeiten zur Brandbekämpfung weltweit“, sagte die australische Ministerin für Katastrophenschutz, Kristy McBain. Man helfe Frankreich nun gern – so wie Frankreich Australien während der verheerenden Buschfeuer des „Black Summer“ 2019/20 unterstützt habe.
Der RFS ist dafür besonders geeignet. Der Rural Fire Service ist die für Buschfeuer zuständige Organisation im Bundesstaat New South Wales und mit rund 70.000 Freiwilligen eine der größten freiwilligen Feuerwehren der Welt. Seine Erfahrung ist über Jahrzehnte unter Bedingungen gewachsen, die für europäische Feuerwehren lange eher Ausnahme als Alltag waren.
Die australische Regierung betont zugleich, dass der Einsatz in Frankreich die eigene Einsatzbereitschaft nicht beeinträchtigen werde. Die Entsendung sei sorgfältig geplant, während in New South Wales die Vorbereitung auf die kommende Buschbrandsaison weiterlaufe. Das ist politisch nicht nebensächlich: Der Bundesstaat hat die Katastrophe des „Black Summer“ noch nicht vergessen. Damals brannten allein in New South Wales mehr als 2400 Häuser ab; die RFS und andere Feuerwehren mussten sich auf eine bis dahin kaum vorstellbare Kombination aus Hitze, Trockenheit und riesigen Brandflächen einstellen.
Frankreich befindet sich nun in einer ähnlichen Lage, wenn auch unter anderen geografischen und klimatischen Bedingungen. Die französische Regierung registrierte bereits Anfang Juli fast 7000 Brandausbrüche – und stellte fest, dass die Brandsaison rund zwei bis drei Wochen früher als gewöhnlich begonnen hatte. Reuters berichtete Ende Juli von mehr als 116.000 Hektar verbrannter Fläche in Frankreich und vier Feuerwehrleuten, die in dieser Saison ums Leben gekommen waren. Zugleich steht das französische System unter erheblichem Druck: Mehr als drei Viertel der rund 256.000 Feuerwehrleute sind Freiwillige.
Dass nun ein australischer Chinook über französischen Wäldern auftaucht, ist deshalb mehr als ein spektakuläres Bild. Es ist ein Zeichen dafür, dass Waldbrandbekämpfung zunehmend zu einer Frage internationaler Kapazitäten wird. Flugzeuge, Hubschrauber, Einsatzleiter und Spezialisten lassen sich dorthin verlegen, wo die Feuer gerade außer Kontrolle geraten – und anschließend wieder zurückholen.
Vor sechs Jahren kamen französische Feuerwehrleute nach Australien, um von den Erfahrungen der australischen Einsatzkräfte zu lernen. Jetzt fliegt ein Stück dieser australischen Erfahrung nach Frankreich. Der vielleicht wichtigste Satz des RFS-Commissioners Trent Curtin lautet deshalb nicht, dass sein Chinook Europas größter Löschhubschrauber sein könnte. Sondern: „Wir waren immer bereit zu helfen, wenn wir dazu in der Lage sind – so wie andere uns in der Vergangenheit unterstützt haben.“

