Es wird in Zukunft um einiges schwieriger sein, ein Working Holiday – Visum zu bekommen. (Bild: Rachel Claire)
Australien verschärft die Steuerung seiner Migration – und das hat Folgen für den Tourismus erscheint. Für junge Reisende werden die Visa-Wartezeiten länger. Zugleich wächst der Druck auf Branchen, die auf ausländische Saisonarbeiter angewiesen sind.
Von TEAM AUSTRALIEN PAZIFIK REPORTER
Der englischsprachige Reiseinformationsdienst Travel Daily News berichtet über zunehmende Verzögerungen bei der Bearbeitung australischer Working-Holiday-Visa. Das Innenministerium bestätigt inzwischen selbst, dass die Verfahren länger dauern als gewöhnlich. Als Grund nennt die Behörde die hohe Zahl von Anträgen. Eher korrekt ist allerdings, dass Canberra mit der Massnahme auf den wachsenden politischen Druck der populistischen und offen rassistischen Partei One Nation reagiert. Diese hat in den letzten Monaten in Meinungsumfragen dramatisch zugelegt.
Seit 1975 ermöglicht Australien jungen Menschen aus mehr als 40 Partnerländern einen bis zu zwölfmonatigen Aufenthalt, bei dem sie reisen und kurzfristig arbeiten können. Es gibt zwei Visa-Kategorien: das Working Holiday Visa (Subclass 417) und das Work and Holiday Visa (Subclass 462).
In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage stark gestiegen. Bereits im Februar 2025 hielten sich nach Angaben des Branchenverbands Accommodation Association of Australia rund 226.000 Working-Holiday-Maker im Land auf – 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Denkfabrik Lowy Institute nennt für Dezember 2025 etwa 226.000 Personen und verweist auf einen Anstieg um rund 85.000 gegenüber Dezember 2019.
Die restriktivere Steuerung wird beim Subclass-462-Visum besonders sichtbar, das für zahlreiche Länder jährlichen Obergrenzen unterliegt. Für das am 1. Juli begonnene Programmjahr 2026/27 wurden Anträge aus vielen dieser Staaten zeitweise ausgesetzt. Das Innenministerium erklärt, solche Pausen dienten entweder dazu, den Eingang der Anträge zu verteilen oder die Zahl der vergebenen Visa angesichts der jeweiligen Obergrenze zu kontrollieren. Zugleich könnten sie helfen, „die Immigrationspolitik der Regierung zu unterstützen“.
Für Länder wie Spanien, Frankreich oder Deutschland gelten unterschiedliche Regeln; insbesondere die Subclass 417 ist von den nationalen Kontingenten des 462-Programms zu unterscheiden. Das macht die Situation für Reisende komplizierter, als es die Bezeichnung „Working Holiday“ vermuten lässt.
Auch die Kosten steigen. Die australische Regierung hat die Visa-Gebühren zum neuen Finanzjahr angepasst. Für das erste 462-Visum weist das Innenministerium inzwischen 840 australische Dollar aus; für das zweite und dritte Visum werden jeweils 1000 Dollar verlangt.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Programms erklärt, weshalb die Verzögerungen über die Reisebranche hinausreichen. Working-Holiday-Maker arbeiten nicht nur in Hotels, Restaurants und Tourismusbetrieben. Sie sind auch eine wichtige Reserve für Landwirtschaft und saisonale Beschäftigung in ländlichen Regionen. Gerade dort konkurriert das Programm mit anderen Formen temporärer Arbeitsmigration.
Pacifica sind produktiver als Backpacker
Eine Untersuchung, auf die das Lowy Institute verweist, kommt allerdings zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Saisonarbeiter aus den pazifischen Inselstaaten seien in der Landwirtschaft im Durchschnitt rund 20 Prozent produktiver als Working-Holiday-Maker. Das Programm erfüllt damit zugleich zwei unterschiedliche Funktionen – es bringt Touristen ins Land und stellt Arbeitskräfte bereit, ist aber nicht zwangsläufig die effizienteste Lösung für den saisonalen Arbeitskräftebedarf.
Für Australien entsteht damit ein politischer Zielkonflikt. Die Regierung will das nach der Pandemie stark gestiegene Niveau der temporären Migration kontrollieren, ohne jene Wirtschaftszweige zu schwächen, die von jungen ausländischen Arbeitskräften profitieren. Für Reisende wird daraus eine schlichte praktische Konsequenz: Das Innenministerium warnt ausdrücklich davor, Flüge zu buchen, bevor die Visaerteilung schriftlich bestätigt worden ist.
Das Working-Holiday-Programm bleibt also bestehen. Doch die Zeit, in der ein junger Reisender seine Australienreise planen und das Visum als beinahe nebensächliche Formalität betrachten konnte, scheint vorbei.

