Steve Irwin war mehr als ein TV-Star. (Bild: Richard Giles)

Heute vor zwanzig Jahren wurde der australische Naturschützer Steve Irwin bei Dreharbeiten von einem Stacheldrochen getötet. Aus dem „Crocodile Hunter“ ist ein Modell dafür geworden, wie Unterhaltung, Tourismus und Naturschutz miteinander verbunden werden können – mit messbaren Folgen weit über Australien hinaus.

Von URS WÄLTERLIN

Als Steve Irwin am 4. September 2006 vor der Küste von Queensland von einem Stachelrochen tödlich verletzt wurde, war er 44 Jahre alt. Sein Tod machte weltweit Schlagzeilen. Aber die eigentliche Wirkung seiner Arbeit zeigte sich erst danach. Irwin hatte eine ungewöhnliche Infrastruktur hinterlassen: einen Zoo, eine Stiftung, Forschungsprogramme, geschützte Landschaften – und ein internationales Publikum, das Wildtiere nicht nur kannte, sondern mit einer Person verband.

Irwin wuchs im von seinen Eltern gegründeten Queensland Reptile and Fauna Park auf. In den 1980er Jahren begann er, Krokodile zu fangen und zu erforschen. 1992 übernahm er den Tierpark und benannte ihn später in Australia Zoo um. Der entscheidende Schritt kam jedoch mit dem Fernsehen. Aufnahmen von seiner Hochzeitsreise mit Terri Irwin wurden zur Grundlage von The Crocodile Hunter, das 1997 in den USA bei Animal Planet startete. Bald war die Sendung in rund 137 Ländern zu sehen, wie die australische National Portrait Gallery dokumentiert.

Irwin machte aus der Begegnung mit Tieren ein Fernsehereignis. Das war nicht immer unumstritten: Der Umgang mit Krokodilen, Schlangen oder anderen gefährlichen Tieren bewegte sich gelegentlich an der Grenze zwischen Aufklärung und Spektakel. Doch gerade diese Mischung verschaffte einer Botschaft Reichweite, die Naturschutzorganisationen gewöhnlich nur schwer erreichen: Tiere sollten nicht gefürchtet oder als Schädlinge betrachtet werden, sondern als Teil eines schützenswerten Ökosystems.

Dass dies mehr war als ein medialer Eindruck, zeigte später eine wissenschaftliche Untersuchung. William J. Brown von der Regent University befragte 1800 Medienkonsumenten. Je stärker sich die Befragten mit Irwin identifizierten, desto größer waren ihr Interesse am Naturschutz und ihre Bereitschaft, diesen zu unterstützen. Die Untersuchung erschien 2010 im Journal of Communication.

Irwin versuchte zugleich, aus Bekanntheit institutionelle Macht zu machen. 2002 gründeten Steve und Terri Irwin Wildlife Warriors. Die Organisation finanziert seither Projekte zum Schutz von Krokodilen, Nashörnern, Geparden, Elefanten in Kambodscha, Sumatra-Tigern und anderen bedrohten Arten. Hinzu kommen Rettungs- und Forschungsprogramme in Australien.

Besonders deutlich wird die Verbindung von Naturschutz und Landpolitik beim Steve Irwin Wildlife Reserve auf Cape York. Das Schutzgebiet umfasst heute rund 330.000 Acres, also mehr als 130.000 Hektar. Es geriet unmittelbar nach seiner Einrichtung ins Visier eines Minenunternehmens, das dort Bauxit abbauen wollte. Nach jahrelangem politischen und öffentlichen Widerstand konnte die Familie die mit einem solchen Vorhaben verbundene Zerstörung des Gebietes verhindern. Australia Zoo gibt an, in Queensland inzwischen mehr als 450.000 Acres geschützten Lebensraums zu haben.

Mit solchen Projekten verschob sich das Erbe des Fernsehstars: vom einzelnen Tier zur Landschaft, vom emotionalen Bild zur Frage, wem Land gehört und wie wirtschaftliche Nutzung gegen Biodiversität abgewogen wird.

Irwins vielleicht wichtigste Hinterlassenschaft ist deshalb nicht sein bekanntestes Fernsehbild. Es ist die Verbindung von Aufmerksamkeit, Geld und praktischer Naturschutzarbeit. Seine Familie führt sie fort. Allen voran sein Sohn Robert, der inzwischen selbst zu einem international bekannten Fernsehstar geworden ist. Und die Krokodile, die einst als spektakuläre Fernsehrequisiten dienten, sind inzwischen Gegenstand langfristiger Forschungsprogramme – unter anderem gemeinsam mit der University of Queensland.

Steve Irwin wollte Menschen für Tiere begeistern, weil, wie er sagte, „Menschen Dinge retten wollen, die sie lieben“. Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod lässt sich daran eine nüchterne Bilanz knüpfen: Seine größte Leistung bestand vielleicht darin, aus Tierliebe eine öffentliche Ressource zu machen – und aus einem Fernsehpublikum potenzielle Naturschützer.

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