Walfangstaaten wollen die IWC als Organisation verstanden wissen, die nachhaltige Nutzung von Walbeständen reguliert. (Bild: Francesco Ungaro)
In der tasmanischen Stadt Hobart ist die 70. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) ohne Durchbruch im alten Grundkonflikt zu Ende gegangen. Die Fronten zwischen Walfang- und Schutzstaaten verlaufen inzwischen quer durch die eigentliche Zukunftsfrage der Organisation.
Von URS WÄLTERLIN Cairns
Vierzig Jahre nach Inkrafttreten des weltweiten Moratoriums für kommerziellen Walfang ist der alte Streit keineswegs beigelegt. Australien, die EU und zahlreiche Staaten Lateinamerikas betrachten den Schutz der Wale als vorrangige Aufgabe der IWC. Norwegen und Island halten dagegen an kommerziellem Walfang fest; Japan verließ die Organisation 2019 und nahm anschließend den kommerziellen Walfang in eigenen Gewässern wieder auf. Die IWC hat heute 89 Mitgliedstaaten.
In Hobart wurde dieser Gegensatz erneut sichtbar. Brasilien, Argentinien und Uruguay brachten den seit 25 Jahren verfolgten Plan eines Walschutzgebiets im Südatlantik erneut auf die Tagesordnung. Es soll die Gewässer vor Südamerika schützen und an das bestehende Schutzgebiet im Südpolarmeer anschließen. Für die Änderung des verbindlichen IWC-Regelwerks ist allerdings eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Der Vorschlag scheiterte erneut. Nach Angaben der Environmental Investigation Agency stimmten 39 Staaten dafür und 18 dagegen.
Damit blieb eine politische Blockade bestehen, die tiefer reicht als die Frage nach einem einzelnen Schutzgebiet. Die Walfangstaaten wollen die IWC als Organisation verstanden wissen, die nachhaltige Nutzung von Walbeständen reguliert. Demgegenüber versuchen Schutzstaaten, das Mandat der Kommission immer stärker auf Erhaltung und nicht-tödliche Nutzung auszurichten.
Gleichzeitig hat sich die Realität verändert. Als die IWC 1986 das Moratorium einführte, war die industrielle Jagd die zentrale Gefahr. Heute sind Beifang, Verheddern in Fischereigerät, Schiffskollisionen und Unterwasserlärm wesentliche Bedrohungen. IWC-Vorsitzender Nick Gales sagte gegenüber dem australischen Fernsehsender ABC, einige Walpopulationen hätten sich seit dem Moratorium „bis zurück zur Zeit vor dem Beginn des Walfangs“ erholt.
In Hobart konnten die Staaten bei diesen neuen Problemen teilweise zusammenarbeiten. Resolutionen zu Schiffskollisionen, Fischereibeifang und gestrandeten Walen wurden angenommen; die gemeinsame Hobart-Erklärung zum 80. Jahrestag der IWC erhielt Konsens.
Der alte Konflikt aber bleibt. Die IWC kann wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenführen und Schutzmaßnahmen beschließen. Solange sich ihre Mitglieder jedoch nicht darüber einigen, ob Wale vor allem Ressource oder schützenswerte Wildtiere sind, bleibt selbst vier Jahrzehnte nach dem Walfangmoratorium die Grundfrage ungelöst.

