Der von Matthew Maurice gefangene Barramundi ist 80 Zentimeter lang. (Bild: NT Government)

Ein Angler aus Darwin hat in den Gewässern des australischen Nordens einen Fisch gefangen, der ihn zum Millionär machte. Hinter dem ungewöhnlichen Wettbewerb steckt eine wirtschaftliche Strategie: Das Northern Territory will mit Sportfischern Touristen in eine Region locken, die besonders während der Regenzeit um Besucher kämpfen muss.

Von URS WÄLTERLIN Sydney

Matthew Maurice brauchte zwei Minuten, um zu begreifen, was ihm da an der Angel hing. Der 26-jährige Einwohner von Darwin war mit seinem jüngeren Bruder auf dem Corroboree Billabong unterwegs, einem beliebten Angelrevier rund 100 Kilometer östlich der Hauptstadt des Northern Territory. Als der Fisch an die Oberfläche sprang, entdeckte Maurice ein rotes Etikett. Es war der entscheidende Augenblick: Er hatte einen Barramundi gefangen, der eine Million australische Dollar wert war (630 000 Euro).

«Ich sah den Fisch innerhalb der ersten zehn Sekunden springen und bemerkte das leuchtend rote Etikett», erzählte er dem australischen Sender ABC. Was folgte, seien zwei Minuten «absoluter Panik» gewesen. Erst als der Fisch im Netz lag, wurde ihm klar, dass er den Hauptgewinn des Wettbewerbs Million Dollar Fish erzielt hatte. Maurice ist damit erst der zweite Gewinner in der zwölfjährigen Geschichte der Veranstaltung.

Der Barramundi ist weit mehr als ein beliebter Speisefisch. Der silbrig-grünliche Raubfisch (Lates calcarifer) gehört zu den bekanntesten Bewohnern der tropischen Gewässer Nordaustraliens. Er lebt sowohl in Flüssen und Süsswasserlagunen als auch in Mangrovengebieten und küstennahen Meeresregionen. Seine Fähigkeit, zwischen Salz- und Süsswasser zu wechseln, macht ihn zu einem aussergewöhnlich anpassungsfähigen Fisch. Barramundi können bis zu 1,50 Meter lang und mehr als 40 Kilogramm schwer werden. Sie sind bei Anglern wegen ihrer Kampfkraft und ihrer Bereitschaft, auf künstliche Köder zu beissen, besonders begehrt. Zudem sind sie Jahrtausenden eine wichtige Quelle von Eiweiss für die Aboriginal.

Der Millionengewinn ist Teil einer gezielten Tourismusstrategie. Das 2015 gestartete Wettbewerbsformat soll Angler aus anderen australischen Bundesstaaten und dem Ausland in den tropischen Norden bringen. Besonders wichtig ist dabei die Regenzeit, die gewöhnlich von November bis April dauert. In dieser Periode gehen die Besucherzahlen traditionell zurück. Gerade dann sind die Bedingungen für das Barramundi-Angeln jedoch häufig besonders gut.

Die wirtschaftliche Bedeutung solcher Initiativen ist beträchtlich. Nach Angaben des Finanzministeriums des Northern Territory brachte der Tourismus der Region 2023/24 rund 1,2 Milliarden Dollar ein und sicherte etwa 8000 Arbeitsplätze. 2025 stieg die Zahl der Besucher auf 1,2 Millionen, während ihre Ausgaben um 35 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar zunahmen. Die Regierung will bis 2032 jährlich 1,7 Millionen Besucher und drei Milliarden Dollar Tourismuseinnahmen erreichen.

Für die aktuelle Angelsaison ist der Wettbewerb noch nicht beendet. Neben dem Hauptgewinn wurden 100 weitere Barramundis mit einem Preisgeld von jeweils 10 000 Dollar markiert. Vier davon sind bereits gefangen worden. Die Aktion läuft bis März 2027.

Für Maurice hat sich der Angelausflug bereits gelohnt. Er will mit dem Geld ein Haus kaufen und Schulden begleichen. Für das Northern Territory ist sein Fang ebenfalls ein Gewinn: Ein rotes Etikett an einem Fisch kann mehr Aufmerksamkeit erzeugen als jedes aufwendige Tourismusmarketing.

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